Intimes dramatisches Tagebuch

Mein intimes dramatisches Tagebuch. Komödie (in Arbeit). Auszug.

DreiGrazien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Drei Freundinnen Mitte 30 auf der Suche nach dem Üblichen. Nur eben in Wien.

(…)

Korstettprinzessinen /Anzüglichkeiten/ Mutter Natur hat einen fiesen Sinn für Humor

Samstag, 8. März 23.58h

Club Pi, Zollergasse. Mittelalterfestl

 

SOPHIE: Ah, Majestät kommt endlich angetanzt.

DIANA: Sorry. Bin ewig nicht in den Club reingekommen.

SOPHIE: Oh. Neues Korsett?

DIANA: In das bin ich auch ewig nicht rein gekommen. Merke, was auch immer du tust, das Ding macht dich erheblich langsamer.

SOPHIE: Den Preis für das Dekolletee des Abends gewinnst du auf jeden Fall.

DIANA: Ja, aber wenn ich mich so umsehe, frag ich mich wofür ich das mache. Ich fürchte, ich trag meine Schätze ganz umsonst spazieren.

SOPHIE: Na, na.

DIANA: Na wirklich. Schau dich doch um. Lauter Trolle und Hobbits.

SOPHIE: Besser als derjenige, welcher. Außerdem: was erwartest du bei einem Festl namens Veitstanz?

DIANA: Gute Frage. Ein oder zwei Ritter wären irgendwie ganz süß gewesen.

SOPHIE: Wobei, der da wäre ganz schnuckelig… ich mein, wenn ich nicht grad ein bissi verheiratet wäre… a propos… entschuldige… eine sms…

DIANA: Der da? hal-lo? Bist du wahnsinnig? Der ist doch höchstens achtzehn. Außerdem hasse ich Bärte.

SOPHIE: Geh, der ist doch angeklebt.

DIANA: Ja, jetzt wo du das sagst… das macht es wirklich besser. Was schreibt er denn?

SOPHIE: Er vermisst mich. Aber schau, der kleine Hobbitt ist doch süß.

DIANA: Na ja. ziemlich verkrampft, das Kindchen. Ganz wohl scheint er echt nicht zu fühlen

SOPHIE: Kein Wunder. Er ist der einzige oben ohne.

DIANA: Meinetwegen hätt er sich nicht ausziehen müssen. Na ja, besser noch als der Junge da. Was soll das? Bierbauch unter´m Kettenhemd? Wobei: lieber Kettenhemd als wandelnde Ölsardine.

SOPHIE: Das Schwert ist wahrscheinlich genauso fake wie die Rüstung.

DIANA: Na gut, aber wenn du mit einem echten rumrennst, hast du in nullkomanichts die Kobra am Hals. Draußen waren eh schon ein paar Polizisten. wobei, der eine war ganz schnucki…

SOPHIE: Und warum hast du den nicht reingebeten?

DIANA: Einen Polizisten? So verzweifelt bin ich dann doch wieder nicht.

SOPHIE: Apropos: ich glaub ich kenn den Securitymann.

DIANA: Woher das bitte?

SOPHIE: Vom live Rollenspielen. Du weißt, ich hab mich von der Julie mal breitschlagen lassen, da mitzumachen. Ich seh ihn irgendwie mit Hörnern auf dem Kopf vor mir.

DIANA: Ich weiß, warum ich da nicht mitmache. Ah: da ist sie ja.

JULIE: Hallo, Mädels.

DIANA: Hi, Elfchen. Nette Öhrchen.

JULIE: Gell?

SOPHIE: Was soll das eigentlich darstellen?

JULIE: Arwen.

DIANA: Ja, dann.

SOPHIE: Aber ganz authentisch ist das nicht.

JULIE: Na hör mal… wenn du Tolkiens Trilogie liest findest du ganz genaue Beschreibungen… und außerdem gibt es da so ein Hobbitforum… da hab ich mir die bestellt…

SOPHIE: Und was stand in der Beschreibung?

JULIE: Na ja… so gut elbisch kann ich noch nicht… aber ich lerne es. Es gibt jetzt einen VHS-Kurs.

SOPHIE: Ja, dann.

DIANA: Können wir von Mittelerde auf diese Erde zurückkehren?

JULIE: Wie gefallen euch eigentlich die Männer hier im Club?

SOPHIE: Die Herrin der Dunkelheit hat an allen schon kräftig herumgemosert.

DIANA: Was soll ich sagen? Lauter… wie sagt man bei euch? Gollums?

SOPHIE: Mit der Einstellung wirst nie einen Typen finden.

DIANA: Hier unten? Na hoffentlich.

JULIE: Sie meint überhaupt.

DIANA: Ich will keinen Typen. Ich will tanzen.

SOPHIE: Und deinen Busen spazieren tragen.

DIANA: Wozu hab ich ihn denn? Wobei, das frag ich mich in letzter Zeit eigentlich öfters. Vor allem bei den Typen da.

JULIE: Sag mal, nur aus Neugier. Warum seid ihr eigentlich hergekommen? Du bist doch keine live-Rollenspielerin.

SOPHIE: Prinzessin hier hat bekanntlich Liebeskummer. Und außerdem haben wir uns geschworen, öfters mal wegzugehen.

DIANA: Stimmt. Ich bin ja offen für alles. Ich wollte einfach sehen, was hier rumläuft. Und ich sehe: nichts wirklich Brauchbares.

SOPHIE: Zumindest wirst du hier nicht über diesen Florestan stolpern.

DIANA: Nein, der reicht mir im wahren Leben.

SOPHIE: Was?

JULIE: Wann?

DIANA: Letzte Woche. wobei, der Abend war sowieso ein Desaster. und bevor ihr mit jetzt eine Bergpredigt widmet: es war nicht meine Schuld.

SOPHIE: Natürlich.

DIANA: Wirklich nicht. Ich Trottel hab mich in einem Anfall aus lauter Verzweiflung auf ein blind date eingelassen. Mit diesem Juristen oder was weiß ich, ein Freund von der Trude, vorm Nordsee am Naschmarkt, wir sitzen da und trinken Sekt und ich denk mir verzweifelt, na super, klein, behaart UND langweilig, und vergleich ihn in Gedanken mit eh-schon-wissen-wem, und… oh Gott… wer glaubst du dass gerade in dem Moment vorbeikommt?

JULIE: Nein.

SOPHIE: Nicht wirklich.

DIANA: Na sicher. Genau eben der. Und dann konnte ich die Herren in real live vergleichen.

JULIE: Armer Schatz.

DIANA: Ich schwör dir, ich bin mir in dem Moment sooo verarscht vorgekommen.

SOPHIE: Das glaub ich dir. Und was hat der Herr gesagt?

DIANA: Das übliche. Ich ruf dich an.

JULIE: Und der Jurist war wirklich nicht brauchbar?

DIANA: Nö. Anzugtyp zwei.

SOPHIE: Das kann gar nichts.

DIANA: Erst ab Typ drei wird´s spannend.

JULIE: Typ zwei?

SOPHIE: Kennst du ihre Anzugtyp-Theorie denn nicht?

JULIE: Nein.

SOPHIE: Erklär´s ihr.

DIANA: Pass auf: Typ Nummer eins kannst du beschreiben mit: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Das sind dann minzgrüne Miami-Vice-Kostüme, mit hochgerollten Ärmeln und Schulterpolstern. Oder so auberginefarbene nadelgestreifte Vertretertypen, mit schwarzem Hemd und „lustiger“ Krawatte.

SOPHIE: Brrr…

DIANA: Und der Inhalt ist detto dementsprechend brrr… Das ist er auch bei Typ zwei – bei dem denkt man sich: na ja, schöner Anzug…

JULIE: Und Typ drei?

DIANA: Genau umgekehrt. Schöner Kerl, scheußliche Verpackung. So von wegen – zieh das Ding aus. Jetzt. Sofort.

SOPHIE: Mein Mann war so einer… ist er immer noch… ich hab ihn bei unserer ersten Begegnung gefragt, wie sich ein schöner Mann so verschandeln kann.

DIANA: Schande. Dabei hätte er das Potential zu einem klassischen Vierer. Also fescher Kerl in schönem Anzug. Wobei ich trotzdem noch nicht weiß, was du sonst an ihm findest.

SOPHIE: Wie du immer sagst: der Vierer dürfte den Anzug dann gleich anbehalten.

JULIE: Anbehalten? Dabei… bei… oh.

DIANA: Genau.

SOPHIE: Wobei, für eine … na ja du weißt schon… eher künstlerische Natur hast du seltsame Vorlieben. Ich meine, Anzugtypen…

DIANA: Aber du magst die doch auch.

SOPHIE: Oh sieh mal… es gibt Met Bull hier… Honigwein und Energydrink.

DIANA: Das könnt ein Teil der Problematik sein.

SOPHIE: Eben, wer will das schon saufen.

JULIE: Nein, ich meine die Anzugträger. Wir sind… na ja… unkonservativ.

SOPHIE: Da hat sie Recht. Ihr wollt ja nicht unbedingt nach Hietzing oder Döbling ziehen, und mit so einem Siegelringträger im Cottageviertel eine Dynastie gründen – womöglich mit kirchlicher Trachtenhochzeit vorher…

DIANA: Oh mein Gott, was für eine Vorstellung. Die Wände ziehen sich über mir zusammen.

JULIE: Wieso? Das ist doch schön. also… ich hätte nichts dagegen.

DIANA: Nur, dass solche Typen eher keine Künstlerinnen wollen. Oder keine live-Rollenspielerinnen. Gondor und Grinzing, Süße, das geht nicht gut.

JULIE: Aber ich brauch meine Rollenspiele und mein Phantasy. Das ist mein Ausgleich.

DIANA: Den wirst du nicht brauchen, als Mutti mit Haushalt. Kein Hietzinger Schnösel will eine Sozialarbeiterin mit Spezialgebiet Drogensucht am Karlsplatz.

JULIE: Ja, aber nicht alle sind so. Sophy, sag ihr, dass nicht alle so sind.

SOPHIE: Die sind nicht alle so. und jetzt lasst den Blödsinn. Wir sind hier, um nichtvorhandene Männer zu vergessen.

DIANA: Genau. Lass uns tanzen gehen.

JULIE: Meinetwegen. Gleich gehen die Reihentänze los. Siehst du, der Dudelsackspieler macht sich schon bereit.

DIANA: Oh. Ok.

SOPHIE: Oh je.

 

 

Stein-reich / Traumprinz an der nächsten Ecke

Freitag, 14. März. 17.34h

Esoterikmesse, Haus der Begegnung

 

SOPHIE: Mädels, ich liebe euch. Aber wenn wir hier raus sind, bring ich euch beide um.

DIANA: Na komm. Spaßverderberin.

SOPHIE: Was suchen wir hier überhaupt?

DIANA: Ich bin nur zur Recherche da. Ich suche Material.

JULIE: Und ich eine Tarotexpertin. Aber eine richtig gute. Dieses Mal muss sie die Wahrheit sagen.

SOPHIE: Ah ja.

JULIE: Na, was meist du, soll ich die da nehmen? Madame Nadine?

DIANA: Ich weiß nicht?

JULIE: Wirklich?

DIANA: Na ja, Bauchgefühl…

SOPHIE: Bauchgefühl? Bitte, wie kannst du die auch nur andenken?

JULIE: Wieso?

SOPHIE: Sieh sie dir an. Die sieht doch aus wie eine Ankerverkäuferin aus der Großfeldsiedlung. Ich meine, schau sie dir an. Gelnägel, Solariumkruste. Und die halbe Eduscho Schmuckabteilung im Ausverkauf am Hals. Und diese Haare. Brr.

DIANA: Stimmt. Gibt es im Nirvana keinen Conditioner?

JULIE: Das ist aber ziemlich sozialrassistisch.

SOPHIE: Ich bin in Floridsdorf aufgewachsen. Ich darf.

DIANA: Nein, die würd ich nicht nehmen. Die wirkt etwas zu schmuddelig.

SOPHIE: Und schau dir die Nikotinflecken an.

JULIE: Auf den Karten?

SOPHIE: Auf den Händen.

DIANA: Wobei, auch die Indianer benützen Tabak zum Räuchern. Ich hab gelesen, der steigt zu den Göttern empor, und liefert die Botschaft persönlich ab.

SOPHIE: Na. dann ist die vielleicht doch nicht so schlecht. Bei dem Zigarettenkonsum hat die nach oben direkt eine mentale Autobahn.

JULIE: Du bist fies.

SOPHIE: Ich bin ehrlich. Was willst du von der? Dir die Karten legen lassen? Du bist eine erwachsene vierunddreißigjähre Frau. Vernünftig. Gut, sieht man von deiner Vorliebe für Elfen-Rollenspiele und Siegelringträger ab. Und da stehst du da und schiebst diesen Scharlatanen und -Innen dutzende Euros in den Rachen. Herzchen, ich pack dich grad nicht.

JULIE: Bei der Trixi hat das doch auch geklappt.

SOPHIE: Aber bei der Marlene nicht. Wo sind all die Prinzen, die ihr prophezeit worden sind? Sind die alle falsch abgebogen?

DIANA: Vielleicht gibt es da eine mentale Einbahn…

JULIE: Ha, ha.

DIANA: Sorry, Süße, aber die Sophy hat schon recht.

JULIE: Du glaubst doch auch dran. Zumindest ein bisschen.

DIANA: Aber nicht an Karten. Eher an magische Rituale.

SOPHIE: Ich fasse es nicht. Und das im einundzwanzigsten Jahrhundert.

DIANA: Sagen wir so. Ich seh das als Multimediagebet. NLP mit Räucherstäbchen.

SOPHIE: Na ja, aber wenigstens machst du komischen kleinen Rituale selber.

DIANA: Und das macht dann doch einen großen Unterscheid. Das muss deine eigene Energie sein, finde ich.

SOPHIE: Willst du die fünfzig Euro nicht in eine Therapiestunde investieren? Da hast du mehr davon.

JULIE: Das ist voll gemein.

SOPHIE: Das ist ehrlich. Oder ein Rock. Kauf dir beim Hasi und Mausi einen hübschen Rock. Oder geh zur Kosmetikerin. Das ist besser für dein Selbstbewusstsein.

DIANA: Da hat sie Recht. Oder Ohrringe. kauf dir ein hübsches paar Ohrringe. Das hilft eigentlich immer.

SOPHIE: Das geht nicht. Du kontrollierst die Weltbestände. Sag, wie viel paar hast du eigentlich?

DIANA. Um die hundert. Warum?

SOPHIE: Und nur ein paar Ohren. Schon tragisch.

DIANA: Und es werden immer mehr.

JULIE: Ohren?

DIANA: Ohrringe. Ich seh nämlich da ein ganz entzückendes paar aus Rosenquarz.

C. Der passt aber nicht zu deinem Sternzeichen.

DIANA. Aber zu meiner Handtasche.

SOPHIE: Sehr vernünftig. Und dann hauen wir hier ab. Ich kenn eine Alternative. Gleich um die Ecke.

DIANA: Sag, bist du sicher, dass du nicht vorher zu den Klangschalen schauen willst?

SOPHIE: Nein!

 

 

Sexshop Serenade / Overworked and underf**d, teil 2

Freitag, 14. märz 18:07 h

Im Frauenerotikladen. Esztherhazygasse

 

SOPHIE: So, und jetzt tun wir uns was Gutes.

DIANA: So. und jetzt wird´s peinlich.

SOPHIE: Und das von einer Frau, die literarisch nur über Sex und Migration schreibt.

DIANA: Und tote Hühner. Vergiss die toten Hühner nicht.

JULIE: Warum sind wir überhaupt hier? Du bist verheiratet. Und sie hat doch gerade diesen Graphiker.

DIANA: Vergiss den. Da war nichts. Nur ein bisschen küssen…

JULIE: Oh, ich dachte.

DIANA: Egal. Vergiss den.

JULIE: Äh. was ist das da überhaupt?

SOPHIE: Keine Ahnung. leider. Darüber hab ich bis jetzt nicht mal nachgedacht. Ich bin glücklich verheiratet, dachte ich… wobei… sieht interessant aus… mhmmm… könnte man probieren.

DIANA: Ah, darum schleppst du uns hierher.

SOPHIE: Und um euch von den Engelskarten und Lapislazui-Ramsch wegzulocken.

JULIE: Ich weiss, du bist unglücklich verstrohwitwet aber … irgendwie ist das doch… also… Ersatzbefriedigung.

SOPHIE: Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss.

DIANA: Kauf, was du willst. Und dann gehen wir gehen auf ein Cola light.

SOPHIE: Trinkst du eigentlich noch was anderes?

DIANA: Was soll ich machen? Ich bin übernächtigt.

SOPHIE: Wie immer.

JULIE: Sehr schön.

DIANA: Nix da. Der Grund ist wesentlich trivialer. Heidi-Klum-trivial, geradezu.

SOPHIE: Wieso dass denn?

DIANA: Weil ich über die dumme Nuss einen Aufsatz schreiben musste. Sechstausend Zeichen der Qual. Ugh. Ich schwör dir, mein Macbook hat beim Versuch, mir Ausschnitte von dieser Supermodel-Schnitten-Show anzusehen, mehrfache Selbstmordversuche anvisiert.

JULIE: Also, ich find die ganz unterhaltsam.

DIANA: Sorry, das ist nur schwachsinnig.

SOPHIE: Ich halt die Tussen auch nicht aus. Ich meine, wann ist eigentlich Hirn aus der Mode gekommen? Oh… ein Rabbitt…

DIANA: Und das ist das neue Schönheitsideal.

JULIE: Der Vibrator?

DIANA: Heidi Klum. Und weißt du, wie ich das satt habe? So viele Kerle schwören Stein und Bein, dass es für sie nur so ein Modelharken sein darf. Mehr als Größe 38? Das möge der Herrgott verhüten. Aber nur zwei Bier später versuchen sie, sich an mich ranzuschmeißen. Trällern mir vor, dass ich so weich und rund und sexy bin. Tun echt alles, um mich ins Bett zu bekommen. Und schmollen, wenn ich ihnen sage, dass es mich nicht freut.

SOPHIE: Na ja, vielleicht bist du zu wählerisch.

DIANA: Bin ich nicht. Weil am morgen ist alles vergessen. Das tue ich mir nicht an. Die haben doch alle einen Vogel.

JULIE: Aber es gibt doch diese Singlebörsen für Mädls, die ein bissi… fülliger…

SOPHIE: Ich den da nehmen? der könnte Spaß machen.

DIANA: Ja eh, und ich hab sie auch probiert.

JULIE: Die Dildos?

DIANA: Die Plattformen.

SOPHIE: Und?

DIANA: Na nichts. erstens sind da fast nur Amis… ziemlich viele Soldaten… Fußvolk… die posieren teilweise in Felduniform im Jeep… vor zerschossenen Häusern in Kabul oder Basra.

SOPHIE: Schon krank… da… das könnt auch dem Niko Spaß machen… ich werde ihm gleich smsen.

JULIE: Aber es sind doch sicher nicht alle so seltsam… ich meine, dieser Schweizer.

DIANA: Schon, aber… ich weiß nicht… irgendwie hab ich das Gefühl, die sehen meine Figur als eine Art Fetisch… und das will ich nicht… da fühle ich mich unbehaglich… ich hatte bisher immer nur Lover, die mich wollen…

JULIE: Wobei der Schweizer ist ganz fesch… am Foto zumindest

DIANA: Na ja… schauen wir mal…würdest du bitte aufhören, mir mit… dem Ding da… vor der Nase herumzufuchteln.

JULIE: Aber das muss dir doch gefallen.

SOPHIE: Genau. Es ist rosa. Fehlt nur noch Hello Kitty.

JULIE: Wobei… ich hab gelesen, die Dinger gibt es auch mit Hello Kitty.

DIANA: Autsch. Das ist pervers.

SOPHIE: Wobei, auch nicht schlimmer als Tarotkarten.

JULIE: Ha, ha.

DIANA: Weißt du was? Wir kaufen uns jetzt alle was zum Verhüten.

JULIE: Aber ich hab grad niemanden.

DIANA: Sieh es als magischen Talisman. Um Liebhaber anzulocken.

SOPHIE: Und das klappt?

DIANA: Das wird sich weisen.

JULIE: Dein Wort in Gottes Ohr.

SOPHIE: Oder sonst wohin.

 

Der Luftraumbeleidiger/ Selbstdemütigung/ la doleur exquise

Donnerstag, 3. April. 20:13h

Damenabend, eine Wohnung im Brunnenmarktviertel

(Sophie und Julie sitzen auf dem Sofa. Diana lässt sich dazu fallen. Alle starren auf den Bildschirm eines älteren MacBooks)

 

SOPHIE: Oh mein Gott. Jetzt versteh ich dich.

JULIE: Das meint er nicht ernst!

DIANA: Genau die da! Die da hat er geschwängert.

JULIE: Oh Gott, du Arme.

SOPHIE: Oh, Mausi.

DIANA. Ich weiß!

SOPHIE: Also, wenn mich einer wegen der da versetzt, wär ich auch ernsthaft sauer. Da, nimm noch einen Martini.

JULIE: Wie kann er nur! Die ist doch einfach nur … ich meine… wäääh!

DIANA: Ich weiß!

SOPHIE: Versteh einer die Kerle.

JULIE: Eins steht jedenfalls fest, du bist viel hübscher. Der Mann hat einfach keinen Geschmack.

SOPHIE: Wobei, ein bissi ähnlich schaut sie dir schon. Gleicher Typ und so.

DIANA: Entschuldige bitte? Figur und Haarfarbe, sonst aber genau nichts.

SOPHIE: Mausi, du sollst den Typen einfach nur vergessen.

DIANA: Gleicher Typ, ha! Ähnlich, das ich nicht lache. Die ultimative Vogelscheuche ist da. Da! Schau her! Sieh sie dir an! Wegen das da bin ich nicht genommen worden.

SOPHIE: Mausi, komm, du echauffierst dich.

DIANA: Ich echauffier mich? Entschuldige! Halten wir bitte fest: Madame ist älter als ich. Und bei weitem nicht so hübsch. Bei weitem. Die ist doch ein Kerl in einem Kleid. Und kein bisschen sexy. Ich bin doch sexier. Oder?

SOPHIE: Sicher. Das ist ein Hausmütterchen vom Lande.

JULIE: Du bist wirklich viel hübscher!

SOPHIE: Der Typ hat ernsthaft hat keinen Geschmack.

DIANA: Ich hab mir ja irgendwie gewünscht, es wäre eine Hübsche. Ernsthaft. Ich meine, ich mag ihn ja nach wie vor und ich will, dass er glücklich ist.

wenn er mir eine hübsche vorgezogen hätte würd es ja irgendwie sinn machen.

JULIE: Du bist wirklich lieb.

SOPHIE: Zu lieb, würd ich sagen.

DIANA: Ich hab mir gedacht, lass es eine Hübsche sein, bitte, lass es eine Hübsche sein. Aber warum die da? Warum nicht ich?

JULIE: Na ja, vielleicht spürt er, dass du zu jung bist.

SOPHIE: Oder er viel zu alt.

DIANA: Aber mir ist das doch egal. Na ja, inzwischen.

SOPHIE: Bist du wahnsinnig? der Mann ist fünfzig.

DIANA. Neunundvierzig.

SOPHIE: Was noch immer siebzehn Jahre zu viel ist.

DIANA: Sechzehn. Und, sorry, die Burschen in unserem Alter sind alle zum Einschlafen.

JULIE: Sag mal… der ist doch gläubig… oder zumindest katholisch…

SOPHIE: Ja stimmt, denen darf es ja keinen Spass machen.

JULIE: Was ich meine ist: ich wette, der fürchtet sich vor starken Frauen. Das tun die alle. Entweder die heiraten ein Weibchen oder werden schwul und gehen ins Kloster.

SOPHIE: Mein Mann sagt in seiner Familie haben alle Kerle so Weibchen. Vater, Onkel, Bruder. Cousins. Bis ins siebente Glied und so.

DIANA: Und du? Du bist doch bei Gott keines.

SOPHIE: Er sagt, er einfach sei zu spät draufgekommen.

DIANA: Ha, ha. Aber zumindest haben die beiden Sex.

JULIE: Komm, Süße, aber sicher nur im Dunklen und unter der Decke.

SOPHIE: Jedenfalls ist er eh nichts für dich.

DIANA: Na ja…

SOPHIE: Jetzt komm. Zu alt. Zu konservativ. Zu militant. Kettenraucher. Und noch dazu vom Land.

DIANA: Ich weiß. Aber ich wollte ihn trotzdem. Manchmal schäme ich mich für meine Hormone.

JULIE: Du bist eben eine normale, heißblütige Frau mit Bedürfnissen.

SOPHIE: Und das heißt, dein Hirn sitzt stellenweise genau dort, wo wir es den Kerlen immer vorwerfen.

DIANA: Besser als bei der. Der ist das Hirn doch in die Oberweite gerutscht.

SOPHIE: Da redet gerade die richtige.

DIANA: Danke.

SOPHIE: Komm, Mausi, sieh´s ein. Du bist einfach viel zu Bobo, um dich mit einem Bundesheerler einzulassen.

DIANA: Meinen Luftraum hätt er ja jederzeit verteidigen dürfen.

JULIE: Wobei, ein Soldat wär nicht schlecht. Ich meine, die haben gelernt zu gehorchen.

SOPHIE: Ja, dass Fußvolk vielleicht, aber die oberen Chargen haben gelernt zu befehlen.

JULIE: Das ist natürlich nicht gut.

DIANA: Lassen wir das, das ist doch eh alles hypothetisch. Er wollte sie. Die gefüllte Taube in der hand… die brave… die biedere… nicht mich… der wollte die… Miss Superbrav… die traut sich doch nie, es bei Licht zu machen… und die wollte er…

JULIE: Arme Süße… du solltest dich nicht so quälen.

DIANA: Ich weiß…

SOPHIE: Mausi, kann es sein dass du ein bissi neurotisch bist?

DIANA: Hab ich nie bestritten. Ach, Gott, warum kann ich es nicht sein lassen? Warum kann ich ihn nicht sein lassen? Ich komm mir wie das ultimative Miststück vor. Weil ich neidisch bin. Und eklig. Und dumm. Ich mein, sie hat mir nichts getan. Gott, ich bin ein Vollidiot. Ich meine, ich hab doch wirklich besseres zu tun. Ich kenne sie ja nicht mal. Sie hat mir nichts getan.

JULIE: Nur den Kerl weggeschnappt.

DIANA: Aber nicht mal wissentlich. Sie kann doch nichts dafür, dass ich mich in die falschen verliebe. Und ich Trottel verbring meine Nächte vor dem Laptop und google fremde Menschen nach. Das ist doch krank.

SOPHIE: Mausi, Mausi, Mausi.

(…)

ZURÜCK