Erzählband „Böhmen ist der Ozean“

Das Wasser schlängelt sich um die Orte Böhmens, als wären es Inseln. Mal tritt es über die Ufer, mal verschluckt es Land und Leute, eine Verbindungslinie, die hinter den Eisernen Vorhang führt, oder kuriose Urgewalt, die Leben und Tod bringt. Und es birgt Rusalkas, Wassermänner und Frühlingsgöttinnen, die Zeugen einer anderen Zeit sind, Vergangenes ans Tageslicht holen oder für immer in den Tiefen des Ozeans verschwinden lassen.

Rhea Krčmářová erzählt in ihren Geschichten von den Spuren, die der Kommunismus hinterlassen hat. Emigration und Sprachverlust machen die Figuren zu Suchenden: nach der eigenen Herkunft, nach einem kleinen Stück Heimat. Dabei schafft sie eine Sprache, die wie das Wasser in ihren Geschichten als verbindendes Element durch die Geschichten fließt – von bezaubernder Musikalität und Vielstimmigkeit.

„Ich bin elf oder zwölf, nach einem halben Leben werde ich an die Moldau zurückgespült, besuchsweise. Nichts hat sich verändert, an jeder Ecke Golems und Geister, überall glaube ich den vodník zu sehen.“

Hardcover mit Schutzumschlag

208 Seiten, Format 12 x 20

Kremayr & Scheriau 2018

19,90 €

ISBN: 978-3-218-01105-

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Essay „Geständnisse einer Fatshionista“ in der neuen SALZ

 

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SALZ 164 KLEIDERSPRACHEN

“ (…) Ich liebe Mode, seit ich denken kann. Oder zumindest, seit mir mit 13 die ersten Ausgaben von Cosmopolitan und Miss Vogue untergekommen sind. Diese Zeitschriften waren mein Pubertätstüberlebenselixier in der Vorstadthölle von Wien Floridsdorf. Mit 14 habe ich mir zum Geburtstag ein Vogue-Abo erbettelt, und ab dann mein Taschengeld für Elle, Harper’s Bazaar und Chanel-Schminkprodukte ausgegeben. Das Make-up war der einzige Weg, die abgebildete Mondänität auch nur ansatzweise zu kopieren. Die textile Pracht blieb unerreichbar. Selbst wenn ich das Budget und die Einkaufsmöglichkeiten gehabt hätte, in die Minigrößen der Pariser und Mailänder Designer hätte ich, mit PCOS, Diäten und Essstörungen kämpfend, nie und nimmer hineingepasst. In meiner Größe gab es Spezialgeschäfte, mit die sich auf Frauen jenseits von 60 Jahren und 100 Kilo spezialisieret zu haben schienen.

Experimentiert habe ich trotzdem, und den Naschmarktflohmarkt nach ungewöhnlichen Accessoires und Fashionüberresten der 60er abgesucht. Damals ist meine Uniform entstanden: ein schlichtes schwarzes Outfit – Hosen bzw. lange Röcke und Rollkragenshirts in meiner Größe ließen sich irgendwie finden – gepaart mit Accessoires. Zumindest habe ich so den Grundstein für meine extensive Sammlung an Ohrringen, Armbändern und Handtaschen gelegt. Wirklich befriedigend war die Situation nicht.“ (Rhea Krcmárová)

Kleidersprachen: Sprache von Kleidern, Sprache, um über Kleidung zu sprechen – das Thema dieser SALZ-Ausgabe ist die Verbindung von Mode und Literatur, zwei Bereiche, die einander nicht so fremd sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.
Beiträge von Bodo Hell, Gertraud Klemm, Thomas Meinecke, Lydia Mischkulnig, Teresa Präauer, Annika Reich, Angelika Reitzer oder Sabine Scholl beleuchten verschiedene Aspekte der Mode, sei es in literarisch verspielter Form wie bei Margret Kreidl und Friederike Mayröcker oder als Essay wie bei Rhea Krcmárová, Ilma Rakusa und Michael Stavarič.
Bildbeiträge von Ann Cotten, Nora Gomringer und Ginka Steinwachs zeigen die Mode von ihrer künstlerischen Seite.
Hildegard Fraueneder kuratierte die Ausstellung „displaying fashion. displaying art. [Agonale] Begegnungen von Mode und Kunst“ in der Galerie 5020, die sie hier in einem Beitrag vorstellt.
Die Ausstellung thematisiert die Schnittstellen zwischen Kunst und Mode: Wo begegnen sie sich? Wo sind ihre Widersprüche, wo ihre Gemeinsamkeiten?

Diese SALZ-Ausgabe, die Ausstelllung der Galerie 5020 und eine Veranstaltungsreihe entstanden im Rahmen des Projekts „[Agonale] Begegnungen von Mode, Kunst und Literatur“, das am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst (Universität Salzburg und Mozarteum) von Christa Gürtler, Eva Hausbacher und Hildegard Fraueneder konzipiert wurde.

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